
Der Plan: die Kids kommen Freitag Mittag von ihrem Abenteuer-Tripp mit Oma und Opa aus Hamburg wieder, wir geben ihnen kurz Zeit zwischen den700km von Norden vor den 2000km nach Süden um Luft zu holen und die Füße zu strecken, und dann geht's Sonntag früh auf die Strada del Sole.
Die Realität: Roman hat auf der Fahrt zu seiner Mama am Mittwoch ein Zucken bei unserer Honda Skymax (chin. Nachbau der Honda Dax, von uns liebevoll "die Hummel" genannt da klein, dick und BRUUUMMMM!!!) festgestellt. Die Kids kommen bereits am Donnerstag Abend, und neben ein paar Kleinigkeiten haben wir beim Ausladen ihrer Sachen auch eine Sandale von Rufus im großelterlichen Womo liegen gelassen. Also das Notwendige verbunden, Roman fährt Freitag Abend mit Rufus und der Hummel nach Erlangen - und sie verlässt die beiden am Eingang der Straße zu Oma & Opa und ist auch nicht mehr zum Fahren zu überzeugen.

Roman tippt auf Benzinpumpe, Opa auf Zündung, in jedem Fall ist es natürlich gut, dass wir noch den Samstag zur Problemlösung haben, andererseits ist das nahvollziehbar nicht der bevorzugte Arbeitstag von Werkstätten, und in fast ganz Bayern ist sowieso Feiertag. Zum Glück leben wir in Franken... Also, Samstag Frühstart, die nächste Honda-Werkstatt startet um 8 und hat laut Homepage auch Techniker da. Henry hat sich und Rufus schon angezogen, so dass wir zügig mit dem Womo nach Erlangen fahren können, die Hummel holen. Als ich uns telefonisch bei der Werkstatt anmelden will, lerne ich: kein Service heute, und mit unserem kleinen Chinesen können sie auch nix anfangen.
Der nächste Honda-Händler sagt mir, wir wären selbst Schuld, wenn wir uns so ein Chinesengelumb kaufen (möge Buddha ihm den Blitz beim Sch*** schicken, wie KANN man so sein?!), also fahren wir erstmal heim. Der dritte lokale Honda-Händler ist wieder sehr nett, kann aber auch nicht helfen. Aber er empfiehlt uns, eine freie Werkstatt anzurufen, Honda mag den (von ihnen lizenzierten!) Nachbau nicht, die Anrufe bei Händlern kann ich mir also sparen.

Die freie Werkstatt in der Nähe entpuppt sich als von Chinesen betrieben 😀... entsprechend mag man die Hummel hier. Durch Nachmessen identifiziert man die Zündspule als das Problem. Und die hat bei der Skymax 3 Pole, nicht 2 wie beim Original. Womit für uns klar ist: wir müssen zum Originalhändler.
Bisher hatte Roman immer mit German Mini Bikers in Mindelheim Kontakt, was aber nicht wirklich auf unserem Weg nach Spanien liegt. Aber: es gibt noch TSS Bikes in Kirchheim unter Teck - was zumindest richtungstechnisch passt.
Also, neuer Plan: wir fahren Sonntag gemütlich nach dem Frühstück los bis Kirchheim. Da verdondeln wir den Nachmittag im lokalen Freibad und starten den Urlaub nach guter alter Tradition mit Deda-Nudeln auf dem lokalen Stellplatz. Morgens fahren wir die anderthalb Km bis zum Händler, der von unserer langen Anfahrt so beeindruckt ist, dass er uns direkt vorzieht - und die Benzinpumpe tauscht. Die Zündspule mit 3 Polen aber nur 2 Händen auszumessen, schafft man nämlich nicht, ergo war der Fehler die Messung, nicht das Teil. Wir nehmen trotzdem sicherheitshalber eine mit, damit sind wir nämlich mit allem ausgestattet, was an so einer Hummel überhaupt klassisch kaputt gehen kann.

Und DANN geht's los, nächstes Ziel: Frankreich, Seurre in der Nähe von Dijon. Wir fahren durch den Schwarzwald, winken dem Freiburger Münster, und dann ab über den Rhein. Die Fahrt durch Frankreich ist wie gewohnt ruhig, wir sehen schöne Landschaft und fahren ohne viel weiteren Verkehr. Der Weg zum Stellplatz zeigt, dass wir seit unserer ersten Fahrt durch Korsika doch Fahren gelernt haben: das Navi lotst uns zum Stellplatz durch den Ort.
Leider hat sie dabei übersehen, dass der Ort nur eingeschränkt für ein Auto mit über 4t Gewicht und knapp 8m Länge gebaut wurde. Ich fahre links ran (und ignoriere den schimpfenden Franzosen hinter mir, der jetzt 2m länger zu seinem Bankomaten laufen muss), Roman checkt die Lage, dann setzen wir zurück, ignorieren eine Einbahnstraße (weil eh keiner durchfährt), und schwupps, nähern wir uns dem Stellplatz auf passenden Wegen. Keine Ahnung was die Navi-Lady in Frankreich immer für seltsame Anfälle hat...

Der Stellplatz ist eine große Wiese, und es steht fast keiner drauf. Wir essen das zweite Urlaubshighlight-Menu (Spaghetti Carbonara) und laufen dann Richtung des kleinen Hafens. Man, haben die es nett hier!! Nicht viel los, aber es tuckern Boote, und es seht einfach auch sehr französisch aus. Wir verbringen eine ruhige Nacht, und am nächsten Morgen kaufen die Männers das erste Baguette. Und Croissants. Und Pan du Chocolate. Und wir frühstücken wie Gott in Frankreich, bevor wir wieder weiterziehen. Der nächste Punkt ist ein See, den wir auf der Fahrt nach Nordfrankreich schon angesteuert hatten.

Man steht in einem Naturschutzgebiet (Saint Hilaire les Places), wunderschön auf einer Terrasse oberhalb des Sees, der sehr warm ist, einen Sprungturm und - damals leider nicht genutzt - eine riesige Rutsche hat. Als wir ankommen, stellen wir fest: sehr leer, weil kaum Wasser im See, Baden daher verboten zur Schonung des Wassers. Ignorieren wir, wie auch einige andere, aber die Rutsche können wir wieder nicht rutschen, die ist zu. Wir gönnen uns trotzdem Crepe und Gofre mit Schoko, und abends, nach gegrillten Burgern schleppt uns Rufus noch auf die Karaoke-Party des nahegelegenen Campingplatzes. Saulustig, wenn auch die meisten Lieder auf französisch und uns unbekannt sind, dafür singen sie die Lokals umso lauter. Sehr zum Unmut der Kids, als das ganze Spektakel auch um 11 noch nicht rum ist und sie aber schlafen wollen...
Naja, hilft nix, Ohren zugeklappt, irgendwann war Ruhe. Wir schlafen bis fast halb9, frühstücken im Schatten eines Baumes mit Blick über den See, dann machen wir noch etwas Logistik, und dann wieder weiter, es ruft Carcasonne. Und natürlich auch irgendwann das Meer.

