
Unterwegs nach Ronda beruhigt sich das Wetter und die Sonne scheint wieder. Allerdings sind die Temperaturen deutlich angenehmer, statt brüllenden Ende 30 Grad, zeigt das Thermometer "nur" noch ca 30. Da Ronda im Landesineren und in den Bergen liegt, also keine Bademöglichkeit zum Abkühlen bietet, gar nicht so schlimm...
Wir kommen am frühen Nachmittag auf dem Stellplatz an, der am Eingang der Stadt liegt. Alles da was man braucht, allerdings ist die Straße nebenan ganz schön laut - mal sehen was das gibt... Für das weitere Programm gab es zwei Optionen: fest steht, dass wir die spektakuläre Brücke zwischen Neu- und Altstadt sehen und ganz oft fotografieren wollen. Fest steht weiter, dass wir heute selbst kochen, Henrys sehr lauter Wunsch und wir haben auch immer noch Sachen von daheim, die ja irgendwann mal weg müssen.

Option 1: wir starten jetzt in die Stadt und kommen dann zum Essen wieder heim und lassen den Tag ausklingen. Option 2: wir gehen erst ins lokale Schwimmbad, essen dann und gehen nach dem Essen in die Stadt. Henry entscheidet für Option 2, also los. Google lotst uns 15 Min um das lokale Sportfeld herum, was wieder Rufus' Unmut auf den Plan ruft. Aber wir kommen auch diesmal irgendwann an. Das Schwimmbad ist einfach, aber WIRKLICH schön! Wir genießen das kühle Wasser, die Jungs planschen und wir legen ein Schläfchen ein.
Gegen halb7 zieht Roman schon mal los und startet mit dem Essen. Den Weg sucht er diesmal selbst, und siehe da: 7 Min Schotterweg, Google kann halt doch nicht alles... Ich mache mit den Jungs langsam, und als wir heimkommen, trägt Roman gerade die ersten 2 Portionen lecker Gulasch auf den Tisch. Wir schmausen wie Gott in Spanien, kommen aber leider erst kurz vor Sonnenuntergang los Richtung Stadt. Und der Weg bis zur Brücke ist länger als gedacht, 30 Min laufen.

Aber wir sind ja gestärkt, trotzdem schaffen wir es auch mit zügigem Laufen nicht mehr rechtzeitig bevor die Sonne weg ist. Auch nicht schlimm, die Beleuhtung ist bei Nacht natürlich auch sehr beeindruckend, und morgen ist ja auch noch ein Tag. Rückwärts bummeln wir gemütlich die Hauptstraße herunter, Henry besichtigt jeden Laden, es gibt wie immer in Spanien am Abend jede Menge zu sehen und zu riechen. Rufus kann überhaupt nicht verstehen, warum wir nach dem Kucken jetzt nicht noch essen gehen, sieht doch alles so lecker aus, und das Kilo Gulasch ist schon mindestens anderthalb Stunden her?!

Müde kommen wir gegen 11 am Womo an und fallen ins Bett. Wie immer mit allen Fenstern und Klappen offen, um der Hitze Herr zu werden. Nur war die ja aus, hatten wir irgendwie vergessen. Nachts machen wir der Reihe nach alles wieder zu und frieren trotzdem so, dass wir uns alle einen Schnupfen einfangen, die Männe haben alle noch Tage lang was davon... Man was sind wir für Weichflöten...
Am nächsten Morgen sind wir, entgegen unserer mittlerweiligen Gewohnheit daher auch schon um halb 9 wach, nicht erst um halb 10. Roman duscht die Jungs nach langer Zeit mal wieder (also mit Seife und so, nicht nur mit Wasser), während ich Frühstück mache. Nach dem Frühstück wollen wir nochmal in die Stadt, gleiche Tour wie gestern, nur jetzt mit Licht und optional Eis zum Schluss. Nach der Stadt wollen wir in Richtung Granada aufbrechen, allerdings haben wir immer noch keine Alhambratickets. Und die soll man ja UNBEDINGT frühzeitig kaufen... Aber wer weiß denn jetzt, wann wir da wirklich sein werden?! Wir rechnen und beschließen: Jetzt Ronda rein/raus, dann 2 Std Fahrt, wir buchn auf keinen Fall Tickets für heute.

Und jetzt los wieder nach Ronda rein, bevor es zu heiß wird, Tickets kriegen wir auch noch später. Ronda ist auch bei Tag wunderschön, zwar ist die Brücke nachts spektakulärer, dafür kann man jetzt auch die umliegenden Berge sehen. Nach dem Rundgang packen wir unser Urluabsauto, und dann ab nach Granada. Dort wollen wir auf einen Campingplatz, und das sogar für 2 Nächte. Stellplätze haben wir keine so richtig schönen gesehen, und da wir die Kids in diesen Tagen besonders viel durch die Gegend scheuchen, soll es zur Belohnung schon mit Pool sein...
Die Zufahrt zum und vor allem in den Campingplatz entpuppt sich als ENG. Die Spanierin am Eingang bekommt ganz große Augen, als ich ihr unsere Außenmaße mitteile, aber wir bekommen einen Platz. Zum Glück, rückwärts hier wieder raus wäre kein Spass geworden. Der Platz selbst ist terrassenförmig angelegt, wodurch alle einen tollen Blick auf Granada haben, und der Weg zu unserer Parzelle geht auch. Auf unserer Terasse lagert noch eine Familie aus Frankfurt,die ihren Sohn beim Studium in Sevilla besuchen, ich lerne: man kann heutzutage bis zu 4x am Erasmusprogramm teilnehmen wenn man es clever macht, 2x im Bachelor, 2x im Master. Womit dann Henrys Auslandskarriere im Studium auch schon geplant wäre :-D...

Wir laden die Mopeds ab, die Jungs springen in den Pool, und dann - Lehre aus Ronda - geht es ohne weitere Zwischenschritte los in die Stadt. Wir parken die Mopeds zentral in der Nähe der Kathedrale und landen schnell im Seidenmarkt, einer Straße wie aus 1001 Nacht. Roman ersteht zwei Hemden, ich einen Rock, die Jungs halten mir den Spiegel beim Probieren und bewundern uns, alles sehr lustig.
Generell haben sie auch an den Besichtigungen in der Zwischenzeit echt Spass. Rufus mosert die ersten 15 Min laut und deutlich, dann legt er den Schalter um,ergibt sich seinem Schicksal und zeigt uns, was er sehenswert findet. Henry findet sowieso das meiste erstmal spannend, irgendwann tun ihm dann meistens die Füße weh, aber das auch erst gegen Ende.
Wir laufen durch das bekannte Viertel Albaicin den Hügel hinauf zum Aussichspunkt Mirador de San Nicolas und diesmal genießen wir einen spektakulären Blick auf die Alhambra im Sonnenuntergang, die auf dem Hügel Albaicin gegenüber liegt.

Granada und speziell das Viertel Albaicin gilt durch seine hohe Anzahl an Roma, die hier schon seit Jahrhunderten wohnen die Wiege des Flamenco. Und als wäre der Anblick der Alhambra in der Abendsonne nicht schon spektakulär genug, spielen 3 Männer auch noch Flamenco. Rufus setzt sich dazu und klatscht mit, wir sind einmal mehr Glückskinder.
Nach diesem Highlight geht es erstmal in die nächste Tapasbar, Croquettas, Schinken, Calamari und Garnelen in Knobi - eigentlich hatten wir die Kids schon am Womo abgefüttert (eine zu groß gewordene Zwischenmahlzeit...), aber sie stürzen sich mit ins Essen als gäbe es kein Morgen. Auf dem Rückweg will ich noch ein Highlight mitnehmen: im Viertel Sacromonte haben die Roma früher oft in Felsenhöhlen gewohnt, arm und ohne jeglichen Komfort, aber mit besonders spektakulärem Ausblick auf die Alhambra.

Diese Höhlen werden mittlerweile als Flamencobars und Hotels genutzt, hier ist also das Zentrum vom Zentrum. Hauptsächlich spielt sich das ganze in einer Straße ab, die auf unserem Heimweg zu den Mopeds liegt.
Tatsächlich laufen wir an einer Flamencobar nach der anderen vorbei - und dann muss Henry aufs Klo. Und wir zwei damit IN eine Bar. Stellt sich heraus: wir haben wohl eine der bekannteren erwischt, und da den Hintereingang. Während Henry pieselt, sehe ich den Tänzern beim Aufwärmen zu, und einige der älteren Primadonnen sehen wir dann außen auch auf dem Plakat, das für den Eintritt wirbt.
Eine weitere Bar hat die Tür geöffnet und wir spitzen auch dort hinein - sehr cool, sehr Andalusien!! Dann ist aber gut mit Besichtigung für heute, und wir fahren mit den Mopeds heim. Oh, und Alhambratickets haben wir natürlich noch fix gekauft, für den nächsten späten Nachmittag.
Denn der Vormittag soll dem Pool gehören. Wir schlafen aus, poolen, und gegen Mittag werfen wir uns wieder auf die Mopeds, Tapas in der Altstadt, bevor es hoch zur Alhambra geht. Während wir im Restaurant sitzen, trifft ein lokaler Papa gegenüber einen anderen Local, und sein kleiner Sohn findet dessen Gitarre toll. Also, Granada, spontantes Flamencokonzert. Denn so läuft das hier eben.

Mitten in unserem schönen Euphorierausch fällt mir auf: SHIT - wir haben die Pässe nicht dabei. Und ohne Pässe kommt man nicht in die Alhambra. Also Schluss mit Euphorie, ich flitze mit dem Roller die 15km zurück zum Stellplatz, Roman isst mit den Jungs in Ruhe fertig, ich flitze wieder zurück, weg war der gemütliche Zeitpuffer.
Aber wir waren so eben recht- statt frühzeitig auf der Alhambra, hätte nicht sein müssen, aber ein Problem war es keins, dank der Mopeds. Wir schieben mit den anderen Touris durch den Nazaridenpalast, streifen durch die Alcazaba (die Befestigungsanlagen) hinauf zu den Wassergärten des Generalife. Wahnsinnig beeindruckend, irgendwie hatten die Sultane deutlich mehr Stil und Sinn für Ästhetik als die Ritter bei uns... etwas high von so viel Schönheit fahren wir wieder zu unserem Platz und genießen den Pool dort (inklusive zwei Tinto de Verano, weil gerade Happy Hour ist), der angenehm temperiert ist und einen wunderschönen Ausblick auf Granada bietet, und lassen dann den Abend am Womo mit Völlerei (also allem was man essen kann und Brot dazu) ausklingen.

Am nächsten Tag verladen wir unsere 7 Sachen wieder und wollen uns auf den Rückweg an den Stand machen. Das Ausparken aus unserer Terrasse gestaltet sich etwas diffiziler als gedacht, vorwärts den Berg runter ist eine Sache wenn es eng ist, rückwärts den Berg hoch nochmal eine andere, vor allem mit Frontantrieb, 2 Mopeds auf der Hinterachse, über 8m Länge und über 4t Gewicht. Wir zirkeln und robben uns raus - und dann übersehe ich einen Olivenbaum und unser Womo hat plötzlich eine fette Schramme hinten oben am Eck... Oh man, jetzt sind wir so lange mit der Karre unterwegs, und ich war draußen und hab gekuckt... Stimmmungsloch... Weil der Strand in Almeria letztes Mal eigentlich schön aussah wenn das Wetter gepasst hätte, geben wir die bereits bekannten Koordinaten unseres Seitenstraßenplatzes ein und begeben uns auf die Straße durch die Sierra Nevada zum Strand, erstmal rech schweigsam...



